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Martina Ehrlich

Ab sofort erscheint auf unserer Homepage immer freitags ein neuer Blog-Beitrag zu den unterschiedlichsten Regionen und Themen rund um Lateinamerika. Martina berichtet Aktuelles, Informatives, Skurriles und Spannendes vom Kontinent des Kolibris, erzählt Geschichten vom Reisen bis hin zu praktischen Tipps für die Vorbereitung Ihrer eigenen Reise.

Vom Kontinent des Kolibris 41 – Patagonien: Land der Sehnsucht

Da ich Sie im letzten Beitrag zu den Pampashasen mitgenommen habe nach Patagonien, möchte ich diesmal genau dort anschließen – im weiten, faszinierenden Land der Sehnsucht…

„El Sur, Patagonien, das ist immer noch ein leeres Blatt Papier, das jeden, Bewohner wie Besucher, auffordert, hier seine Geschichte hineinzuschreiben, seine Spur zu hinterlassen. Undomestiziert, eine Oase der Einsamkeit, in der die verrücktesten Erfahrungen ihren Platz haben; immer noch ein Traum“ (von Susanne Asal, Reiseschriftstellerin)

Natürlich hat sich auch Patagonien längst zu einem trendigen Reiseziel entwickelt und an vielen Orten, an denen man vor 30 Jahren noch ziemlich auf sich selbst gestellt war, sind Unterkünfte verschiedenster Kategorien entstanden, einst abenteuerliche Pisten mit guter Asphaltdecke versehen worden und gute Businessleute wittern ein erträgliches Geschäft mit den Besuchern. – Dennoch darf man Patagonien niemals unterschätzen!

Da ist zum einen die absolut unberechenbare Witterung Patagoniens. Es kann das schönste Wetter vorherrschen – windstill, sonnig, man wägt sich an einem wunderbaren Ort. Doch plötzlich kommt Wind auf, der sich am nächsten Tag zu einem unbändigen Sturm aufgebaut hat. Oder der Himmel verdunkelt sich gefährlich, Wolkenungeheuer türmen sich auf und es beginnt ein Regen vom Himmel herabzustürzen, den man an diesem Ort vielleicht so gar nicht vermutet hätte. Auch plötzlicher Schneefall ist ganz im Süden möglich. Ich erinnere mich z.B. noch gut daran, wie wir auf der einsamen „Ruta 40“ in einen Regen gerieten und sich die ansonsten stocktrockene, etwas erhöht gebaute Piste in Nullkommanichts in eine Rutschbahn verwandelte, von der Fahrzeuge – auch die mit 4-Rad-Antrieb – beim Versuch, irgendwie vorwärts zu kommen, einfach in den Graben rutschten. Da half dann nichts außer mit Gummistiefeln raus in den schmierigen Schlamm und an allen LKW-Reifen die Schneeketten aufziehen… Was für eine Sauerei – aber damit kamen wir zwar langsam und vorsichtig, jedoch wenigstens irgendwie vorwärts… Oder die plötzlich wie aus dem Nichts abrupt daherkommenden heftigen Windböen, die die Dachplane vom Fahrzeug oder mir gar die Beifahrertüre aus der Hand rissen. Umgeknickt ist die Türe als wäre sie butterweich – und wir standen da mit den kaputten Scharnieren mitten in der unwirtlichen Landschaft.

Warum reist man in solche Gegenden? Oder – noch extremer – warum lebt man in solch ungastlicher Region? Ok, mit dauerhaftem Leben in Patagonien hat das für die Einheimischen ganz unterschiedliche Gründe und Ursprünge… Darüber möchte ich Ihnen im Laufe der kommenden Beiträge dieser Kolumne immer mal wieder etwas berichten. Was aber Reisende wohl schon immer fasziniert an solchen „remote areas“ – also abgelegenen Weltregionen – liegt wohl irgendwie in unserer Natur. Vielleicht ist es die Sehnsucht nach dem Ursprung unseres Seins, nach dem Spüren der eigenen Natur in der Wildnis unseres Planeten, den wir uns an so vielen Ecken fast schon „verzivilisiert“ haben. Trotz aller Planung kann Dir in Patagonien die Laune der Natur immer einen gehörigen Strich durch die Rechnung machen. Hier sind Flexibilität, das Hinnehmen der Naturgewalten und das Erkennen der eignen Grenzen und Möglichkeiten ab und an stark gefordert.

Die Fakten rund um Patagonien sind schnell erzählt: als Patagonien gelten offiziell die Gebiete südlich des 38. Breitengrades, was in Chile etwa der geografischen Höhe von Temuco, und in Argentinien etwa der geografischen Höhe des Rio Colorado entspricht. Von dort aus wird Patagonien im sogenannten „Cono Sur“ Richtung Süden immer schmaler bis hin nach „Tierra del Fuego“ mit seiner größten Insel Feuerland. Diese ganze Region hat eine Größe von etwa einer Million Quadratkilometern, auf der im Schnitt ca. 1,2 Einwohner pro Quadratkilometer leben. Im Westen Patagoniens verlaufen die Anden mit zum Teil sehr schroffen Gebirgsabschnitten, Felsnadeln und Vulkanen, im östlichen Bereich breitet sich im Norden eine Strauchsteppe, im Süden eine Grassteppe aus. Westlich der Anden haben wir es mit einer der regenreichsten Regionen der Erde zu tun. Die weiter im Norden existierende Küstenkordillere sinkt gen Süden mehr und mehr in den Pazifik ab und bildet so Hunderte von Inseln und Inselchen sowie eine total zerklüftete Fjordlandschaft.

Der berühmtberüchtigte Wind Patagoniens kommt vorwiegend aus Westen, er kann aber auch aus Süden bis Nordwesten kommen. Die Südwinde sind die kältesten, sie kündigen jedoch in der Regel beständiges Wetter an. Die West- und Südwestwinde bringen dagegen immer Störungen mit, während die Nordwestwinde veränderliches Wetter und Wärme bedeuten. Während des südlichen Sommers werden die Winde meist folgendermaßen erzeugt: Über der argentinischen Ebene bildet sich durch Erwärmung der Sonneneinstrahlung fast ständig ein Tiefdruckgebiet. Der niedrige Luftdruck zieht die Luftmassen an, die über dem Südpazifik lagern und damit ein stationäres Hochdruckgebiet bilden. Dadurch entsteht der überwiegend heftige Wind, der im südlichen Sommer viel stärker ist als im Winter, wo es manchmal sogar wochenlang total windstill sein kann. In den Anden – also in Westpatagonien – erreicht der Wind oft eine Geschwindigkeit von 80-100 Stundekilometer. Wie schon erwähnt, kommen Störungen häufig so unerwartet, dass Wettervorhersagen in Patagonien mit Hilfe des Barometers nicht möglich sind. Der Abfall des Luftdrucks erfolgt nur wenige Stunden vor Eintreffen der Schlechtwetterfront, bzw. umgekehrt.

Durch die starken Winde in sehr hoher Höhe entstehen oftmals ganz einzigartige Wolkenformationen. Die für mich faszinierendste ist die sogenannte Windprinzessin (Lenticularis), bzw. im Volksmund nur einfach „lentis“ genannt. Die einzelnen Wolkenschichten liegen dabei linsenförmig übereinander, die Wolke ist also deutlich waagerecht strukturiert (siehe Foto des Beitrags).

Verschiedene Eiszeiten formten das Bild des heutigen Patagonien. Eine davon war vor 3,5 Millionen Jahren. Sie erstreckte sich von den Anden mindestens 60 Kilometer weiter nach Osten. Die bedeutendste Eiszeit in Patagonien war aber vor 1 Million Jahren, als sich das Eis in großen Zungen von den Anden bis etwa 200 Kilometer nach Osten vorgeschoben hat. Im äußersten Süden wurde der Kontinent sogar komplett bedeckt und damit die heutige Atlantikküste erreicht. Ebenfalls vom Eis bedeckt war die Magellanstraße sowie fast das gesamte Feuerlandarchipel. Eine weitere Eiszeit hatte ihre maximale Ausdehnung vor ca. 20.000 – 18.000 Jahren, wo sich das Eis etwa 100 Kilometer über die Ostufer der Seen Lago Argentino und Lago Viedma hinaus erstreckte. Die letzte Eiszeit ging vor etwa 12.000 Jahren zu Ende.

Von den Eiszeiten übrig geblieben sind das nördliche patagonische Eisfeld (Campo de Hielo Norte) sowie das südliche patagonische Eisfeld (Campo de Hielo Sur) mit zusammen etwa 17.000 Quadratkilometern Eisfläche. Weitere kleine Eisfelder gibt es im Gebirge Cordillera Darwin auf Feuerland. Die starken Niederschläge sowie die niedrigen Außentemperaturen bewirken nach wie vor die Bildung großer Gletscher in der Region. Wobei auch die heute noch verbliebenen Gletscher der südlichen Anden seit etwa 50 Jahren ein starkes Abschmelzen aufweisen. Dabei zeigen sich lokal sehr unterschiedliche Trends infolge der Wechselwirkung zwischen Veränderungen von Temperatur und Regenmenge. Man spricht heute von „Resten des einstigen Eisschildes“ beim Campo de Hielo Sur von ca. 13.000 und beim kleineren Campo de Hielo Norte von ca. 3700 Quadratkilometern. Die beiden größten Auslassgletscher des nördlichen Eisfeldes – der San Rafael und der San Quintín – haben seit Ende des 19. Jahrhunderts etwa 18 % ihrer Fläche verloren. Dem wohl berühmtesten Gletscher Patagoniens – dem Perito Moreno – wird fälschlicherweise immer noch oft nachgesagt, dass er wächst. Dies stimmt jedoch nicht. Es ist nur so, dass sein Verhältnis zwischen Nährgebiet und Abbruchgebiet sich ungefähr die Waage hält. Bei anderen Gletschern überwiegt der Abbruch. Wäre dies nicht so, würde der Gletscher sich stetig einen Weg in den See bahnen, denn die Schubkraft des Eises ist gewaltig.

Patagonien ist eine Naturregion, in der sich das Auge zwischen dem Gigantischen und dem Winzigen entscheiden muss. Riesig ist der Himmel, sind die Gebirge und die Gletscher, winzig sind die Blüten, erscheinen die Estanzias, die Schafherden und die Gauchos in der Weite dieses gewaltigen Landstriches.

Den heutigen Beitrag möchte ich mit einer patagonischen Weisheit beenden: „Man braucht selbst nicht zu verreisen, denn irgendwann bringt der Wind den Rest der Welt vorbei“

Sie dürfen sich freuen auf neue Reiseangebote nach Patagonien, die Sie zeitnah auf unserer Website finden werden.

Bis in einer Woche wieder

Martina Ehrlich

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