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Martina Ehrlich

Ab sofort erscheint auf unserer Homepage immer freitags ein neuer Blog-Beitrag zu den unterschiedlichsten Regionen und Themen rund um Lateinamerika. Martina berichtet Aktuelles, Informatives, Skurriles und Spannendes vom Kontinent des Kolibris, erzählt Geschichten vom Reisen bis hin zu praktischen Tipps für die Vorbereitung Ihrer eigenen Reise.

Vom Kontinent des Kolibris 42 – Land des Eises und des Feuers

Fernando de Magallanes war ein portugiesischer Seefahrer, der im 16. Jahrhundert im Auftrag der spanischen Krone eine Westroute zu den Gewürzinseln finden sollte. Seine Abenteuer sowie sein Leben wurden mehrfach beschrieben und seine Reise ging als erste historisch belegte Weltumsegelung in die Geschichte ein. Auch erbrachte sie den letzten, praktischen Beweis für die Kugelgestalt unserer Erde.

Als Magellan im Jahre 1520 auf seiner Reise an der Ostküste im Süden Südamerikas anlegte, sah er im Sand riesige Fußabdrücke! Er glaubte, dass diese von riesigen Menschen stammten und nannte das Land aus diesem Grunde „Patagonien“, was übersetzt so viel wie „Land der Großfüßler“ bedeutet. Tatsächlich waren die Fußabdrücke jedoch nur so riesig, weil die hier lebenden Ureinwohner – die Tehuelche – ihre Füße zum Schutz vor Kälte und scharfem Gras in Guanako-Felle einwickelten. So verbreitete sich in Europa bald die Geschichte von Riesen in dem noch unerforschten Land, das seitdem den Namen Patagonien trägt. Die durchschnittliche Größe der Tehuelche mit 1,80 Metern war für die damalige Zeit dennoch sehr beachtlich…

Der Name „Tehuelche“ kommt aus der Sprache der Araukarier und bedeutet „Menschen des Südens“. Dieser Name wurde dann von den Europäern so übernommen. Die Tehuelche waren Nomaden und sie lebten von der Jagd auf Guanakos – wilde Kleinkamele, deren Felle ihnen als Kleidung dienten, und Nandus – patagonische Straußenvögel, die sie wie die Guanakos verzehrten. Zur Jagd benutzten sie Lanzen, Pfeil und Bogen sowie „Bolas“ – das sind in Leder verpackte Sand- oder Steinkugeln an verbundenen Lederriemen, die man den Tieren um die Beine schleuderte. Tehuelche lebten in provisorischen Zelten, bzw. hinter einer Art Wandschirm aus Guanako-Häuten, die sie gegen die Winde schützen zusammen mit ihrer Hundemeute. In den Frühlingswochen wanderten sie von der östlichen Atlantikküste zu den westlichen Bergen und beim Herannahen des Winters wieder zurück.

Auf dem Feuerlandarchipel lebten einst die Ona oder Selknam und die Haush. Sie waren kleiner als die Tehuelche aber wie diese sehr robust und von einer unglaublichen Ausdauer. Sie lebten nur in den Ebene Feuerlands, die rauen Bergregionen im Süden mit oft konstant nasskaltem, stürmischem Regenwetter schienen nie bewohnt gewesen zu sein. Auch sie lebten nur von der Jagd mit Pfeil und Bogen in Guanakofelle gehüllt.

Und dann gab es da noch die Alakalufes und die Yaganes oder Yámana. Sie waren in ihrer Lebensweise und auch körperlich sehr verschieden zu den Landindianern, denn sie verbrachten sehr viel Zeit in kleinen Rindenkanus auf dem Wasser. Die Alakalufes lebten entlang der Magellanstraße und entlang der Westküste Patagoniens in den Fjorden. Die Yaganes lebten in der Inselwelt südlich der Magellanstraße zwischen Feuerland und dem Kap Hoorn.

Beide Stämme ließen ihre kleinen Feuer, die sie in ihren Rindenkanus entzündeten, trotz Wind und Regen niemals ausgehen! Es war Ihre Wärmequelle und sie kochten darauf ihre Meeresfrüchte, die sie aus dem eisigen Meer heraufholten. Die Frauen tauchten nach Nahrung, während ihre Männer das Feuer im Kanu hüteten. Wegen der vielen kleinen Feuer in Küstennähe nannten die Europäer das wilde Inselarchipel am „Ende der Welt“ Feuerland!

Diese Menschen lebten fast nackt in ihren Kanus. Wenn das Wetter zu schlecht wurde, legten sie sich eine Seehundshaut um, um sich gegen den extremen Sturm, Regen und Schnee zu schützen. Sie hatten provisorische Landlager aus zusammengebundenen Zweigen mit darüberliegenden Fellen. Ihre Hauptbeschäftigung war Fischen und Tauchen nach Meeresfrüchten entlang der Küsten, ebenso die Jagd nach Seehunden, mit deren Fett sie sich einrieben.

Waren Sie schon einmal in Patagonien oder auf Feuerland? Können Sie sich vorstellen, dass ein menschliches Wesen diesen Naturgewalten halb nackt und womöglich noch auf dem eisigen und bewegten Wasser existieren kann? Eigentlich ist es kaum zu glauben – und doch ist es wahr! Dieses Volk war vollkommen an das Leben in solch einer unwirtlichen Region angepasst, es war robust und kraftvoll.

Heute gibt es keine reinrassigen Tehuelche, Ona oder Haush mehr, geschweige denn Yámana. Auf der unbewohnten Insel Wellington wurde an der Ostküste eine Hilfsstation – Puerto Eden – für dort überlebende Alakalufes errichtet. Die Station besteht aus einem Blockhaus, in dem ein Mitglied der Luftwaffe mit seiner Familie wohnt und Lebensmittel und Medikamente an die letzten Alakalufes verteilt. Unterhalb vom Blockhaus haben die Alakalufes runde Hütten aus Zweigen und Fellen aufgebaut. Die meiste Zeit haben sie nichts zu tun, nur manchmal gehen sie mit ihren Kanus wie früher auf Jagd nach Seehunden und Fischottern, deren Felle sie gelegentlich verkaufen können.

Die letzte reinrassige Yaganes-Frau starb 1982 auf der chilenischen Insel Navarino. Dass dieses robuste Volk nicht überleben konnte, ist einmal mehr eine Geschichte der sogenannten „Zivilisation“. Als der berühmte britische Naturforscher Charles Darwin den britischen Kapitän Fitz Roy auf dessen 2. Expedition in den äußersten Süden begleitete, behauptete er, dass diese „Indianer die elendsten Kreaturen waren, die ihm je zu Gesicht bekommen sind. Man könne sie kaum zur Menschenrasse zählen.“ Er machte sich über sie lustig, über ihre Sprache und über ihre Kanus. Die Sprache verdiene nicht, als in irgendeiner Form als verständlich bezeichnet zu werden. Thomas Bridges, ein engl. Missionar auf Feuerland, hat die Sprache des auf Feuerland beheimateten Urvolkes erlernt und bis zu seinem Tode 1898 an einem Wörterbuch gearbeitet. Am Ende hatte er 32.000 Wörter zusammengetragen, ohne deren vielfältige Ausdrucksweise nur im Geringsten erschöpft zu haben! Diese Forschung und Entdeckung stehen komplett im Gegensatz zu Darwins Aussage. Das Original dieses Wörterbuches liegt heute im Britischen Museum in London.

Im Gebiet der Tehuelche zogen im Laufe der Geschichte die weißen Siedler mit Pferden und Schafen ein. Sie nahmen sich das Land, das jahrhundertelang niemandem gehörte. Die neuen Tiere waren eine gute Nahrungsquelle für die Tehuelche, sie nahmen sich das Vieh und wurden damit zu Dieben, die verfolgt wurden. Es entbrannte ein Kampf ums Vieh und Land mit dem Ende, dass argentinische Truppen unter Führung von General Roca in den Süden geschickt wurden, um diesen zugunsten der neuen Siedler zu beenden. Durch diesen sogenannten „Wüstenfeldzug“ wurden die Tehuelche fast vollständig ausgerottet, die wenigen Überlebenden vermischten sich mit den Europäern.

Auf Feuerland erfolgte keine Jagd mit Hilfe des Militärs, aber der Eifer und die Ausdauer der Siedler bedeutete im Endeffekt dasselbe. Die Goldsucher und später die Schafzüchter waren mit Gewehren ausgestattet und entschlossen, ihren Platz gegen die Ureinwohner zu verteidigen. Es gab Prämien für abgeschnittene Ohren – als aber immer wieder Indigene ohne Ohren herumliefen, verlangte man den ganzen Kopf oder die Leiche… Bei den Ona wurden die Jagdtiere vergiftet.

Missionare aller Konfessionen versuchten, die Indigenen vor dem Völkermord zu retten. Letztendlich sind dadurch aber genauso viele Menschen gestorben wie durch die Kugeln der Siedler. Sie bekleideten die „Wilden“ mit europäischer Kleidung und versuchten ihnen ehrenwerte Berufe beizubringen, bzw. sie sinnvoll zu beschäftigen. Diese Menschen waren jedoch ein Leben in der freien Natur gewöhnt und deswegen unfähig, sich diesem aufgezwungenen Leben anzupassen. Hinzu kamen Alkohol und bisher unbekannte Krankheiten…

Die Geschichte der „Patagonier“ und der „Feuerländer“ ist eine sehr tragische. Selbstverständlich gibt es etliche Literatur über das Schicksal dieser Menschen. Ein Buch, das mich sehr tief berührt hat, ist das von Sylivia Iparraguirre, welches ich Ihnen wärmstens empfehlen möchte. Es ist unter dem Titel „Land der Feuer“ erschienen (gebraucht erhältlich) und erzählt die Geschichte der Yámana am Beispiel des Jemmy Button… Seien Sie gespannt.

Bis nächsten Freitag

Martina Ehrlich

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