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Martina Ehrlich

Ab sofort erscheint auf unserer Homepage immer freitags ein neuer Blog-Beitrag zu den unterschiedlichsten Regionen und Themen rund um Lateinamerika. Martina berichtet Aktuelles, Informatives, Skurriles und Spannendes vom Kontinent des Kolibris, erzählt Geschichten vom Reisen bis hin zu praktischen Tipps für die Vorbereitung Ihrer eigenen Reise.

Vom Kontinent des Kolibris 31 – Karneval: wo der Teufel los ist…

Fasching – Fastnacht – Karneval – Fassenacht – Fasnet oder auch die „fünfte Jahreszeit“: ob man es nun mag oder nicht, wir sind wieder mittendrin im Ausnahmezustand der Karnevalszeit… Prunksitzungen, Rathausstürme, Weiberfasching und Umzüge mit traditionellen Fußgruppen und fantasievollen Wagen – in vielen Regionen wird vor der Fastenzeit ausgelassen gefeiert.

Gerne möchte ich heute mal einen Blick auf den Karneval in Lateinamerika richten und zwar auf die drei größten und bekanntesten Feste dort.

Sicherlich fällt jedem hier zuerst der berühmte Karneval in Rio – Carnaval Carioca – ein, an dem sich alljährlich bis zu sieben Millionen Menschen beteiligen, darunter etwa 1,5 Millionen Besucher aus dem In- und Ausland. Rio ist weltweit bekannt für spektakuläre Paraden, Samba bis zum Abwinken und unglaubliche, extravagante Kostüme. Die „nackt“ eher trostlos wirkenden Beton-Sambadromen füllen sich dann mit allen existierenden Farben, vibrierender Musikbeschallung und einer pulsierenden Energie, die ihresgleichen sucht. Auf den Tribünen finden 88.500 Zuschauer Platz! Das Spektakel beginnt offiziell am Freitag vor Aschermittwoch und die vielfarbige Parade der Sambaschulen gehört zu den größten Festen der Welt. Karneval geht vom Ursprung her der christlichen Fastenzeit voraus und erst die Portugiesen brachten ihn 1840 aus dem christlichen Europa mit nach Brasilien. Damals waren Polka und Walzer als Tanzformen angesagt, erst 1917 entwickelte sich durch den Einfluss afrikastämmiger Brasilianer der heute weltberühmte Samba. Der Carnaval Carioca wird vom Tourismusbüro der Stadt in Zusammenarbeit mit den Sambaschulen – „Liga Independente das Escolas de Samba do Rio de Janeiro“ organisiert. Die Stadtverwaltung übergibt König Momo im blauen Kostüm mit Königsschärpe – der Symbolfigur des Karnevals – einen riesigen Schlüssel. König Momo eröffnet daraufhin zusammen mit der Karnevalskönigin und zwei Prinzessinnen den Karneval von Rio.

Alljährlich wählt jede einzelne der Sambaschulen ein bestimmtes Thema aus, auf das dann die Dekoration der Festwagen und die Kostüme abgestimmt werden. Hinzu kommen Rhythmus, Choreographie und Präsentation. All diese Vorbereitungen ziehen sich über das ganze, vorhergehende Jahr hin. Viele Beteiligte setzen ihr ganzes Erspartes ein, um an den wenigen Tagen des Karnevals ein prächtiges Kostüm tragen zu können. Private Sponsoren unterstützen einzelne Sambaschulen, das persönliche Kostüm bezahlt jedoch jede/r privat. Wie im Fußball sind die Sambaschulen in vier Ligen aufgeteilt, aus der dann die beste Schule mit der höchsten Punktzahl in die sogenannte Grupo Especial aufsteigt. Die Paraden beginnen an jedem Festtag abends um neun Uhr und dauern ungefähr 10 Stunden bis in die Morgendämmerung hinein.

Die Reihenfolge der einzelnen Sambaschulen der Grupo Especial wird durch das Los bestimmt. Am Karnevalssonntag und -montag treten jeweils 6 Sambaschulen auf und jede davon mit 70 bis gut 400 Teilnehmenden. Diese wiederum sind aufgeteilt in verschiedene Gruppen mit bis zu 8 Festzugswagen, die aus Sicherheitsgründen alle von Hand gezogen werden müssen! Beim Vorbeiziehen muss auch ein bestimmtes Zeitlimit eingehalten werden. Bewertet werden das Zusammenspiel von Gesang, Trommeln und Tanz sowie die rhythmische Präzision der Trommler und die künstlerische Umsetzung des Themas mitsamt der Fahnenträgerin und dem Zeremonienmeister.

Die Punkteauszählung findet am Aschermittwoch statt und die Gewinnerschule der Grupo Especial wird wie bei einer Fußball-Weltmeisterschaft mit Feuerwerk, Musik und Tanz gebührend gefeiert. Die Gewinnerschule erhält einen Geldpreis sowie – wichtiger noch – Ehre und Anerkennung aller Sambistas!

Aktuell ist der Carnaval Carioca zunehmendem Gegenwind innerhalb bestimmter Gruppen der brasilianischen Gesellschaft ausgesetzt, da er jetzt auch oft gesellschaftskritische Themen wie Umweltschutz, Diversität, Gewalt gegen Frauen thematisiert.

Im Gegensatz zum in Rio de Janeiro üblichen „Wettbewerb“ und der „Zur-Schau-Stellung“ der einzelnen Sambaschulen gibt es in anderen Städten einen ausschweifenden Straßenkarneval – allen voran in Salvador da Bahia sowie in Recife.

Doch auch das kolumbianische Barranquilla ist eine Hochburg des Karnevals, man feiert dort hingebungsvoll die kulturelle Vielfalt mit karibischer Musik, quirligen Tänzen und farbenfrohen Umzügen. Vom Samstag vor der Fastenzeit bis zum Aschermittwoch wird gefeiert und zwar mit etwa einer Million Menschen. So zählt auch der Karneval von Barranquilla zu den größten Festen weltweit und seit 2008 zum immateriellen Kulturerbe der Menschheit. Es werden typische Tänze der kolumbianischen Karibikküste wie Cumbia, Salsa und Merengue dargeboten. Kolumbianische Motive sind oft Tierfiguren wie Stiere, Tiger und Bären oder menschliche Gestalten wie Superhelden, mythologische Figuren, Dickköpfe und andere. Mittlerweile werden in den Darstellungen auch aktuelle gesellschaftskritische Aspekte satirisch verarbeitet.

Zur Eröffnung des Karnevals in Barraquilla gibt es ein Hupkonzert sowie ein großes Feuerwerk. Dann wird die Stadt symbolisch „eingenommen“, die Königin wird gekrönt und der Kinderkarneval beginnt. Erster Straßenumzug ist die sogenannte „Batalla de Flores“, die von der Karnevalskönigin angeführt wird und dem sich zahlreiche folkloristische Tanzgruppen anschließen. Am Karnevalssonntag folgt die „Gran Parada de Tradición“ – ebenfalls mit traditionellen Tanzgruppen und am Rosenmontag schließt sich das „Festival de Orquestas“ statt, welches bis in den frühen Morgenstunden dauert. Alle Festivitäten sind – trotz aller folkloristischen Tradition – ausschweifend mit oft hohem Alkoholkonsum. Dem ganzen Treiben setzt das „rituelle Begräbnis des Joselito“ – der Symbolfigur des Barranquilla-Kanevals – am Faschingsdienstag ein Ende. Am Aschermittwoch beginnt dann die Fastenzeit.

Regelrecht der „Teufel los“ ist in der Karnevalszeit im bolivianischen Hochland in Oruro… Eigentlich ist es dort ein religiöses Fest zu Ehren „Jungfrau der Bergwerksstollen“, denn Oruro ist eine graue trostlose Minenstadt in 3.700 Metern Höhe über dem Meeresspiegel. Der Carneval de Oruro wurde 2008 ebenfalls von der UNESCO in die Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit aufgenommen. In die ansonsten „gottverlassene Gegend“ kommen zum Karneval mehrere Hunderttausend Menschen. Beginn ist am Donnerstag vor dem Faschingswochenende mit dem indigenen Fest „Anata Andina“. Die Meschen danken Mutter Erde – Pachamama – sowie den Achachilas – Berg-Gottheiten der Naturelemente – für die Ernte des letzten Jahres und bitten um eine neue gute Ernte für das bevorstehende Jahr. Der „eigentliche Karneval“ beginnt dann am Faschingssamstag und dauert drei volle Tage. Die Mitglieder der Tanzgruppen – Conjuntos – nehmen am Umzug durch die Stadt teil. Am Samstag tanzt man für die „Jungfrau der Bergwerksstollen“ und schwört ihr, mindestens drei Jahre am Karneval teilzunehmen, um ihren Schutz für die Arbeit in den gefährlichen Stollen zu erhalten. Am Karnevalssonntag treffen sich gegen vier Uhr morgens alle Musikkapellen der teilnehmenden Tanzgruppen auf dem Kirchplatz zum „Gruß an die Sonne“. Mit der aufgehenden Sonne beginnen alle Musikgruppen gleichzeitig die Melodie ihrer Tanzgruppe zu spielen – ein heilloses Durcheinander. Der Sonntags-Tanz ist dem „Gott des Spaßes“ gewidmet, was auch Konsum von Alkohol gestattet, dem eigentlich sonntags abgeschworen werden sollte. Höhepunkt des Festes ist jedoch der Rosenmontagsumzug mit der berühmten Diablada – dem Teufelstanz! Die Teufels-Gruppen treffen sich auf dem Kirchplatz und treten tanzend in die Kirche ein. Sie verabschieden sich von der Jungfrau, bitten dabei um Erfolg für das kommende Jahr und bedanken sich für ihre Unterstützung. Am Umzug nehmen dann fast 50 Gruppen teil, die 18 verschiedene Tänze darbieten. Die Teufelsmasken und der Teufelstanz – die Diablada – sind weit über die Grenzen Boliviens hinaus bekannt und schenken der überwiegend indigenen Bevölkerung Oruros tiefes Selbstbewusstsein.

Sind Sie Faschingsnarr oder eher ein Faschingsmuffel? Zu welchem der drei vorgestellten Karnevalsfeste würde es Sie hinziehen, wenn Sie die Wahl hätten?

Bis nächste Woche – wenn Samba und Teufel wieder für ein Jahr ruhen,

Martina Ehrlich

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