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Martina Ehrlich

Martina Ehrlich

Ab sofort erscheint auf unserer Homepage immer freitags ein neuer Blog-Beitrag zu den unterschiedlichsten Regionen und Themen rund um Lateinamerika. Martina berichtet Aktuelles, Informatives, Skurriles und Spannendes vom Kontinent des Kolibris, erzählt Geschichten vom Reisen bis hin zu praktischen Tipps für die Vorbereitung Ihrer eigenen Reise.

Vom Kontinent des Kolibris 29 – die Insel der glücklichen Wasserbüffel

Die brasilianische „Insel der Wasserbüffel“ weist eine Gesamtfläche von knapp 50.000 Quadratkilometern auf und ist damit größer als die Schweiz. Die Ilha do Marajó wird oft als größte Flussinsel der Erde bezeichnet. Dem steht entgegen, dass die östlichen Teile von Marajó auch das offene Meer berühren und die Insel von den Mündungsgebieten zweier Flüsse – dem Amazonas und dem Tocantins – begrenzt wird. Berücksichtigt man dies, so wäre die ebenfalls in Brasilien gelegene, vollständig vom Rio Araguaia umschlossene Ilha do Bananal die größte Flussinsel…

Ihr Name „Marajó“ heißt übersetzt „Meeresbrecher“ und bezieht sich auf die Lage der Ilha do Marajó westlich von Belém im Amazonasdelta am Atlantik, wo sie die berühmte riesige Gezeitenwelle Pororoca abschwächt.  Obwohl die Pororoca von der Insel stark abgefangen wird, ist sie im gesamten Inselbereich stark spürbar – besonders zwischen Mai und Juli.

Auf der Insel leben heute ca. 250.000 Bewohner – die meisten davon in den wenigen Siedlungen der Ilha do Marajó. Die Inselhauptstadt ist Soure mit etwa 20.000 Einwohnern. Da es regelmäßige Schiffs- und Fährverbindungen mit der Metropole Belém gibt, ist die Insel wirtschaftlich fest an die Hafenstadt angeschlossen. Viele der landwirtschaftlichen Produkte der Insel werden in Belém auf dem Markt und in den Restaurants angeboten, so zum Beispiel sämtliche Produkte vom Wasserbüffel (Fleisch, Käse, Milch), Früchte wie Mangos, Acaí, Murici, Buriti, Cupuacu, Bacurí. Umgekehrt ist die Insel ein Naherholungsgebiet für die Menschen aus Belém und hier vor allem die Flussstrände um Soure.

Im westlichen Teil ist die Insel von dichtem Urwald bedeckt, der im Nordwesten von unzähligen Flüssen und Wasserläufen durchzogen wird. Es gibt etwa 20 Flüsse, die die Insel von einem Ende zum anderen komplett durchfließen. Dieser Inselteil wird Regiao da Mata genannt, ist extrem schwer zugänglich, besitzt bis heute nur eine menschliche Ansiedlung – Anajás – und ist ein nahezu unberührtes Urwaldbiotop geblieben. Hier wachsen Kautschukbäume, Ölpalmen, Lianen, Rote Mangroven und es leben dort Wildtiere wie Affen, Faultiere, Wasserschweine, Kaimane, Schlangen und viele Vogelarten.

Im östlichen Inselteil wird die Landschaft flacher, weite Savannen breiten sich aus, die alljährlich während der Regenzeit in großen Gebieten überflutet werden. Hauptregenzeit ist von Dezember bis März, danach regnet es noch sporadisch und die überschwemmten Flächen trocknen ganz allmählich über die Monate hinweg ab. Gegen Ende der Trockenzeit sammeln sich etliche Vogelarten in den Tümpeln, auffälligste Vögel und Wahrzeichen der Insel sind die so genannten Guarás – Rote Ibisse oder Scharlachsichler genannt.

Archäologisch gesehen beherbergt Marajó die älteste und am weitesten entwickelte Hochkultur ganz Amazoniens! Die Hochzeit lag zwischen dem 5. und dem 14. Jahrhundert. Auf der Ilha de Marajó sind noch Reste alter Lehmhütten der Urbevölkerung vorhanden, vor allem aber sind die Keramikfunde sehr wertvoll und aufschlussreich. Diese Keramiken sind in Aufbautechnik hergestellt und meist kunstvoll in den drei Farben Rot, Schwarz und Weiß bemalt. Die ältesten dieser Keramikfunde datieren aus dem Jahre 980 vor Christus, die jüngsten aus dem 18. Jahrhundert. Dieses kulturelle Erbe wird bis in die heutige Zeit hochgehalten und gepflegt, man ist stolz darauf. Bekannt sind traditionelle Tänze wie Carimbó und Lundú. Viele der heutigen Inselbewohner sind Nachfahren oder Mischlinge mit Anteilen der Urbevölkerung.

In diesem Teil der Insel haben die Menschen ihr Auskommen mit der Wasserbüffelzucht gefunden. So gibt es viele Fazendas – Farmen, die Pferde, Rinder und Wasserbüffel halten und entweder nur von der Landwirtschaft oder in Kombination mit Tourismus leben. Auch alle Siedlungen und Dörfer befinden sich auf diesem Teil der Insel.

Auf welchem Weg und wie die aus Indien stammenden Wasserbüffel auf die Ilha de Marajó gekommen sind, ist nicht genau klar. Es gibt eine Geschichte, die erzählt, dass ein aus Indien kommendes Schiff mit einer vollen Ladung Wasserbüffel vor der Insel gesunken ist. Es soll auf dem Weg nach Französisch-Guayana unterwegs gewesen sein. Wasserbüffel können sehr gut schwimmen und sollen sich auf diese Weise auf die Insel gerettet haben. Ob dies jedoch tatsächlich stimmt, ist unklar. Es wird auch berichtet, dass portugiesische Siedler die Wasserbüffel mitbrachten, da sie entsprechend günstige Lebensbedingungen für die Tiere vorfanden.

Die Domestizierung der Wasserbüffel auf der Insel ist erst ab 1930 belegt. Die hier so genannten Bufalos werden sehr geschätzt wegen ihrer Gutmütigkeit und wegen der sehr guten Lebensmittel, die sie liefern. Marajós Wirtschaft basiert so hauptsächlich auf der Büffel- und Rinderzucht sowie dem Fischfang. Für die Bewohner der Insel sind die domestizierten Wasserbüffel die wichtigsten Nutztiere. Die Zahlenangaben zu den Bufalos schwanken zwischen einer halben Million und bis zu drei Millionen Exemplaren. Die Büffel befinden sich überwiegend auf den Fazendas. Nur sehr wenige leben wild. Sie sind äußerst genügsam und ernähren sich von Wildgräsern, die sie überall auf der Ilha do Marajó finden.

Wasserbüffel liefern hochwertiges, unbelastetes Fleisch, Milch, Käse und bestes Leder. Daneben wird die Arbeitskraft der Tiere geschätzt und für den Transport von Waren oder Abfällen, für Ausritte sowie für die Polizei genutzt. Ja – auf Marjó kann man innerhalb der Siedlungen tatsächlich häufig Polizisten auf dem Rücken von Wasserbüffeln sehen! Im Polizeidienst verbleiben die Tiere etwas im Alter von 2 bis 20, maximal 28 Jahren. Die Büffel schwimmen auch beritten sehr ausdauernd. Sie werden mit Hilfe von Gewichtsverlagerung und einem Seil im Nasenring geritten. Im Gegensatz zu Pferden und Geländewagen haben die Büffel keine Schwierigkeiten mit dem teils sumpfigen Gelände zwischen den Mangrovenwäldern. Wenn die Savannenlandschaft der Ilha do Marajó während der Regenzeit komplett überflutet ist und die Dörfer isoliert sind, verbleiben oft nur die Bufalos als Fortbewegungsmittel. Sie stapfen gemächlich durch den Matsch, schwimmen sogar mit ihren Reitern durchs Wasser oder ziehen Boote über die Sümpfe. Ihre dicke Haut schützt sie ebenso vor Piranha-Bissen wie vor den Stromstößen des gefährlichen Zitteraals.

Ich selbst durfte schon mehrmals die Ilha do Marajó besuchen und auf einem Bufalo reiten. Ich kann nur sagen – man muss diese gemütlichen, kraftvollen Tiere einfach mögen. Und egal, wie sie auf die Insel gekommen sind, sie gehören mittlerweile dorthin wie die Roten Ibisse und ein Leben wäre für die Menschen ohne die Bufalos gewiss mehr als beschwerlich, wenn nicht gar unmöglich.

Bis nächste Woche,

Martina Ehrlich

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