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Martina Ehrlich

Ab sofort erscheint auf unserer Homepage immer freitags ein neuer Blog-Beitrag zu den unterschiedlichsten Regionen und Themen rund um Lateinamerika. Martina berichtet Aktuelles, Informatives, Skurriles und Spannendes vom Kontinent des Kolibris, erzählt Geschichten vom Reisen bis hin zu praktischen Tipps für die Vorbereitung Ihrer eigenen Reise.

Vom Kontinent des Kolibris 24 – feierten die Inkas Weihnachten?

Wenn man an die Anden und die alten Kulturen Lateinamerikas denkt, sind meist sofort innere Bilder von Machu Picchu und den Inkas präsent…

Der Großteil der PeruanerInnen ist katholisch und Weihnachten darum das wichtigste Fest im Jahreslauf. Die Vorweihnachtszeit beginnt wie bei uns ca. vier Wochen vor Heiligabend, also mit der Adventszeit. Ende November beginnen die Familien, ihre Weihnachtskrippen – El Nacimiento – herzurichten. Bei diesem alten Brauch werden detailgetreue Nachbildungen von Bethlehem als Miniaturlandschaft erstellt. Der Stall mit der Krippe und allen beteiligten Personen und Tieren spielt dabei natürlich die größte Rolle. Das Jesuskind wird erst an Heiligabend von den peruanischen Familien willkommen geheißen und dann feierlich in die bis dahin leere Krippe gelegt. Solche mit viel Liebe erstellten Nachbildungen findet man in unendlich vielfältiger Ausführung in den privaten Häusern auf dem Boden ausgebreitet, im Freien mit übergroßen Figuren auf Plätzen und Straßen wie auch in so gut wie allen Kirchen.

Im Jahr 2021 wurde zum ersten Mal eine traditionelle peruanische Krippe der Chopcca-Gemeinde in Huancavelica mit lebensgroßen Figuren auf dem Petersplatz im Vatikan aufgestellt. Ab dem 10. Dezember hatte die ganze Welt die Gelegenheit, diese traditionelle Darstellung des Christentums mit peruanischen Motiven zu bestaunen. Die einzigartige peruanische Krippe enthielt mehr als 30 volkstümliche Kunstwerke und Bilder, die von fünf renommierten Kunsthandwerkern aus Huancavelica sorgfältig hergestellt wurden. Es wird geschätzt, dass die Andenkrippe während der 45 Tage von mehr als 100 Millionen Menschen bewundert wurde. Die Heiligen Figuren der Krippe wurden aus Keramik, Agave und Fiberglas hergestellt und trugen die typische Kleidung der Chopcca – einer bedeutenden Bauergemeinschaft der Anden Perus. Wie bei allen ländlichen Krippen wurde die örtliche Fauna mit Lamas, Kondoren, Alpakas, Schafen, Vizcachas und Andenflamingos miteinbezogen. Die Inka haben sicher keine Weihnachtskrippen gebaut. Denn erst die Spanier brachten den christlichen Glauben nach Lateinamerika und mit ihm die Tradition des Weihnachtsfestes mit allem Brauchtum vom Krippenbau bis zum Weihnachtsbaum.

Die Heilige Nacht – la Noche Buena – wird in Peru wie bei uns am 24. Dezember gefeiert. Den Festauftakt bildet der Gottesdienst – Misa de Gallo – gegen 22 Uhr. Anschließend trifft man sich mit der Familie und Freunden, spät am Abend gibt es leckeres Essen und man möchte eine gute gemeinsame Zeit miteinander verbringen. Zum Hauptgang gibt es oft Truthahn, aber auch Meerschweinchen oder Fisch kommen bei vielen peruanischen Familien auf den Tisch. Zum Nachtisch gibt es typischerweise den Panetón – ein mit Rosinen und kandierten Früchten gefüllter Hefeteigkuchen – sowie dazu heiße Schokolade mit Zimt und Nelken. Um Mitternacht wird in der „stillen Heiligen Nacht“ ein ohrenbetäubendes großes Feuerwerk gezündet, so wie wir das von Silvester kennen. Je nach Region und Familie wird auch erst nach dem Feuerwerk zusammen gegessen. Auch die Bescherung kann es vor oder nach dem Essen geben, wenn man den Liebsten Geschenke macht.

Was überhaupt nicht in unser weihnachtliches Bild passt, ist das warme Klima. Weihnachtszeit ist Sommerzeit in Peru. In der Hauptstadt Lima und anderen Küstenorten von Peru ist es im Dezember richtig heiß und man feiert in kurzer Kleidung. Anders in den Bergen, da bedeutet Sommer Regenzeit – alles ist schön grün, wächst und gedeiht, es ist kühler, aber es regnet eben auch viel.

In Cusco findet alljährlich am 24. Dezember ein riesiger Weihnachtsmarkt auf dem Hauptplatz statt. „Santurantikuy“ ist der einzige Markt, der überhaupt auf dem Hauptplatz der historischen Altstadt stattfindet! Es gibt dort alles rund um das in der Nacht zu erwartende Christkind zu erwerben. Frauen und Männer aus dem Umland kommen zu Fuß mit ihren kleinen Kindern und schwer beladen nach Cusco und übernachten unter den Portalen des Hauptplatzes. Sie bieten den Marktbesuchern Stroh, getrocknete Pflanzen, Moos und geflochtene Hütten als letztes Zubehör für ihre Weihnachtskrippen an. Es gibt auch neue Kleider und Schühchen für das Jesuskind, religiöse Kunstartikel, Geschenke und natürlich auch wie bei uns auf dem Weihnachtsmarkt etliche Essensstände mit Angeboten von „A“ wie Andenkartoffeln frittiert bis „Z“ wie Zuckerwatte.

In Peru feiert man nur den 25.Dezember als Weihnachtsfeiertag und er dient mehr der Erholung von Heiligabend, der als eigentlicher Festtag gilt. Viele PeruanerInnen besuchen am 25. Dezember Familie und Freunde. Dann werden zusammen die Reste des Vortages verzehrt und sich vom Trubel des Vortages ausgeruht In manchen Familien werden die Geschenke auch erst am Vormittag des 25. Dezember ausgetauscht.

Wie bei uns, so hat sich auch in Peru ein wahrer Konsumrausch ausgebreitet – überall stehen Plastikweihnachtsbäume, gibt es bunte und blickende Lichterketten, Kunstschnee, künstliche Rentiere sowie englische Weihnachtslieder aus den Musikboxen. Die Weihnachts-Euphorie geht stellenweise soweit, dass Alpakas und Lamas zu Rentieren drapiert werden.

Weihnachten wird als die Zeit des Teilens angesehen und allerorten zelebriert. In vielen Städten Perus wird zu Weihnachten heiße Schokolade – Chocolatada – mit Panetón an ärmere Menschen verteilt. Häufig wird auch Spielzeug an ärmere Kinder verschenkt.

Wie auch bei uns, so feiern die PeruanerInnen am 31. Dezember den Silvesterabend mit Essen, Musik und Tanz. Um Mitternacht begrüßt ein Feuerwerk das neue Jahr und die Menschen wünschen sich gegenseitig ein gutes, gesundes und glückliches neues Jahr. Viel Glück im neuen Jahr haben laut peruanischer Tradition vor allem diejenigen, die in den letzten Sekunden des alten Jahres zwölf Weintrauben verzehren – also eine für jeden neuen Monat – und schnell in gelbe Unterwäsche schlüpfen. Die gelbe Wäsche soll im neuen Jahr viel Energie und Schwung bringen.

Um sich vom zu Ende gehenden Jahr zu verabschieden, werden lebensgroße und kleinere Puppen, alte Kleidung sowie Papier verbrannt. Zu den typischen Bräuchen zählt auch das Anzünden von Kerzen in unterschiedlichsten Farben, um die verschiedenen Aspekte des Lebens zu zeigen und diese bestenfalls durch das Ritual im neuen Jahr zu verbessern. Und wer mit einem Koffer zur Jahreswende um den Block läuft, wird im neuen Jahr viele Reisen unternehmen.

Die Inkas feierten keine Weihnachten – sie kannten es schlicht nicht. Sie hatten Ihrerseits viele andere Feste, Rituale und Traditionen, aber das ist wieder eine ganz andere Geschichte…

Ich wünsche Ihnen heute – auch im Namen des gesamten Teams von Leguan Reisen – schöne Feiertage ganz so, wie Sie sich diese vorstellen.

FELIZ NAVIDAD – Martina Ehrlich

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