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Martina Ehrlich

Martina Ehrlich

Ab sofort erscheint auf unserer Homepage immer freitags ein neuer Blog-Beitrag zu den unterschiedlichsten Regionen und Themen rund um Lateinamerika. Martina berichtet Aktuelles, Informatives, Skurriles und Spannendes vom Kontinent des Kolibris, erzählt Geschichten vom Reisen bis hin zu praktischen Tipps für die Vorbereitung Ihrer eigenen Reise.

Vom Kontinent des Kolibris 21- Künstlerin des Lebens

„Füße, wofür brauche ich euch, wenn ich Flügel zum Fliegen habe?”

Wissen Sie, von wem dieses Zitat stammt? – Eine der berühmtesten Persönlichkeiten Mexikos hat diese Zeile geschrieben. Und bei ihr hat diese Zeile eine sehr tiefe Bedeutung, denn sie konnte ihre Füße über einen sehr langen Zeitraum und bis zu ihrem Tode nicht mehr gebrauchen. Die mexikanische Malerin Frida Kahlo fasziniert und schockiert die Menschen gleichzeitig – gebrochen und doch unheimlich stark ging sie ihren Weg durch ihr gebeuteltes Leben… Noch so ein Zitat von ihr: „Nichts ist mehr wert als Lachen. Es ist die Kraft zu lachen und sich seiner selbst zu ergeben, Licht zu sein.“

Frida Kahlo wurde in Coyoacán – einem Stadtteil von Mexiko-Stadt – 1907 als Tochter einer mexikanischen Malerin und eines deutschen Fotografen geboren. Ihr gemischtes europäisches und mexikanisches Erbe beschäftigte sie ihr Leben lang und beeinflusste ihren Umgang mit dem Leben und der Kunst. Später beschloss sie, 1910 als ihr Geburtsjahr anzugeben, da dies der Beginn der mexikanischen Revolution war. Ihr vollständiger Name war Magdalena Carmen Frieda. Sie hatte drei Schwestern sowie zwei Halbschwestern aus einer früheren Ehe ihres Vaters. Ihre Mutter galt als hart, religiös fanatisch und mit einer Tendenz zu Gefühlsausbrüchen. Es wird berichtet, dass ihr Vater Frida Kahlo ein genaues Beobachten der Natur und das Fotografieren, Entwickeln und Retuschieren beibrachte.

Bereits 1914 als Kind begannen Frida Kahlos gesundheitliche Probleme. Anfangs vermutete man eine Polio-Erkrankung, diagnostizierte dann aber 1930 eine seit der Geburt bestehende Fehlbildung der Wirbelsäule. Durch ihre immensen gesundheitlichen Beschwerden musste Frida Kahlo sehr viel Zeit ihres Lebens im Bett verbringen. Eine Folge der Erkrankung war ein kürzeres und dünneres Bein.

Frida Kahlo besuchte ab 1922 in Mexiko-Stadt als eines der ersten dort zugelassenen Mädchen die renommierte Escuela Nacional Preparatoria, um sich auf ein Medizinstudium vorzubereiten. Als 15-jähriges Mädchen sah sie zum ersten Mal den 36-jährigen Künstler Diego Rivera, der damals an einem Wandgemälde für die Aula arbeitete. Zu dieser Zeit näherte sie sich der regimekritischen Studentengruppe los Cachuchas an, die den rebellischen Geist der jungen Künstlerin bekräftigte und ihr Interesse an Literatur und Politik förderte. Künstlerisch geprägt wurde sie durch ihre Freundin Tina Modotti, eine Fotografin, Schauspielerin und Revolutionärin. Sie begann 1925 eine Lehre bei dem Grafiker Fernando Fernándesz, der ein Kollege ihres Vaters war.

Der 17. September 1925 wurde zum Schicksalstag für Frida Kahlo. Sie war gemeinsam mit einem Freund im Bus unterwegs, als dieser mit einer Straßenbahn kollidierte. Bei diesem schweren Unfall wurde ihr Becken sowie der Rücken von einer der Haltestangen durchbohrt und ihre Beine gebrochen. Von nun an musste sie zeitlebens lange Aufenthalte in Krankenhäusern und oft wochenlang einen Ganzkörpergips oder ein Stahlkorsett ertragen. Ihr Medizinstudium konnte sie nicht mehr fortsetzen. Doch obwohl ihr die Medizin keine Chance darauf versprach, erlernte Frida Kahlo unter immensen Schmerzen und mit unbändigem Willen wieder das Gehen.

Während der monatelangen Genesung zuhause bauten ihr die Eltern eine besondere Staffelei ans Bett, gaben ihr einen Satz Farben und befestigten einen Spiegel über ihrem Kopf, damit sie ihr eigenes Spiegelbild betrachten und Selbstportraits malen konnte. Sie verbrachte Stunden damit, sich mit existenziellen Fragen zu beschäftigen, die sie sich als Folge ihres persönlichen Traumas stellten. Sie entwickelte Gefühle der Loslösung von ihrer eigenen Identität, eine wachsende Innenwelt und eine generelle Nähe zum Tod.

„Ich male Selbstporträts, weil ich so oft allein bin, weil ich die Person bin, die ich am besten kenne.“ 1926 malte Frida Kahlo ihr erstes Selbstporträt. Von 144 bekannten Gemälden sind 55 Selbstbildnisse, in denen sie während langer Genesungsphasen ihrem emotionalen und körperlichen Zustand Ausdruck verlieh. Ansonsten halfen ihr Drogen und Alkohol, um die schrecklichen Schmerzen irgendwie auszuhalten.

Die damals 22-jährige Frida Kahlo lernte in dieser Zeit den nun 41-jährigen mexikanischen Maler Diego Rivera näher kennen. Mit seinen großen politisch revolutionären Wandbildern wurde Diego Rivera schon früh bekannt und berühmt. Beide verband die Malerei ebenso wie ihre politische Anschauung. Frida Kahlo trat der Kommunistischen Partei bei. In sein Wandgemälde „Ballade der Revolution“ für das Bildungsministerium in Mexiko-Stadt malte Diego Rivera ein Portrait von Frida Kahlo mit ein.

Wenn man von „toxischer Liebe“ sprechen möchte, ist die Verbindung von Diego Rivera und Frida Kahlo gewiss ein passendes Beispiel. Die beiden heirateten zum ersten Mal 1929 in Coyoacán, wobei es für Rivera bereits seine dritte Ehe war. Frida Kahlos Vater unterstützte seine Tochter bedingungslos und war froh zu wissen, dass Diego Rivera über die finanziellen Mittel verfügte, um die horrenden Arztrechnungen zu bezahlen. Frida Kahlo stand fast Zeit ihres Lebens immer im Schatten ihres berühmten Ehemannes. Er hatte etliche Aufträge in den USA, bei denen Frida Kahlo ihren Mann begleitete. Ende 1931 im stellte Diego Rivera im MoMA in New York aus. Frida Kahlo waren die USA fremd und anonym und sie distanzierte sich als Künstlerin ebenso wie politisch als engagierte Mexikanerin. In ihrer Malerei entwickelte sie ein selbstbewusstes Gespür für die mexikanische Identität. Ihr Bestreben, sich von ihren deutschen Wurzeln zu distanzieren, zeigt sich in der Namensänderung von Frieda zu Frida und in ihrer Entscheidung, das traditionelle Tehuana-Kostüm zu tragen.

In San Francisco lernte Frida Kahlo den Chirurgen Dr. Leo Eloesser kennen, der von da an zu ihrem wichtigsten behandelnden Arzt wurde. Die Eheprobleme des ungleichen Paares wurden Mitte der 1930er Jahre immer offensichtlicher. Ihr Haus nach der Rückkehr nach Mexiko bestand aus zwei separaten Teilen, die durch eine Überführung verbunden waren. Frida Kahlo hatte zunehmend gesundheitliche Probleme, während ihr Mann, der bereits zuvor untreu war, zur selben Zeit eine Affäre mit ihrer jüngerer Schwester Cristina hatte. Daraufhin wandte sich Frida Kahlo anderen Männern sowie Frauen zu. 1939 ließ sich das Paar scheiden – nur um sich knapp ein Jahr später in zweiter Ehe wiederzuverheiraten. Aufgrund der komplexen Krankengeschichte Frida Kahlos konnte sie keine Kinder austragen. Neben einigen Fehlgeburten ließ sie auch Abtreibungen vornehmen. „Es gab zwei große Unfälle in meinem Leben. Einer war der Wagen, der andere war Diego. Diego war bei weitem der Schlimmste.“

1938 fand in New York die erste Einzelausstellung Frida Kahlos statt, eine weitere folgte 1939 ihre in Paris. Nachdem das Ehepaar 1941 ins sogenannte „Blaue Haus“ in Coyoacán gezogen war, begann Frida Kahlo mit ihren geschriebenen und gemalten Tagebuchaufzeichnungen. Darin versuchte sie, einerseits ihren eigenen Schmerz und andererseits die Schönheit der Welt auszudrücken. Themen wie Magie, Liebe, Schmerzen, Sexualität, Fruchtbarkeit, Leiden, Jugend und Krankheit prägten Ihre Werke. Ihre Anerkennung als Malerin wuchs kontinuierlich und 1943 erhielt sie einen Lehrstuhl an der Kunstschule La Esmeralda, an der sie zehn Jahre zusammen mit Diego Rivera. Für ihr Werk „Moses“ erhielt sie 1946 den Nationalpreis für Malerei. Parallel verschlechterte sich ihr Gesundheitszustand immer mehr und die Krankenhausaufenthalte wurden immer länger. 1951 war Frida Kahlo zum Tragen eines Gipskorsetts gezwungen und sie musste im Rollstuhl sitzen. Von da an konnte sie nur noch im Liegen malen. 1953 konnte sie an der Eröffnung ihrer ersten Einzelausstellung in Mexiko nur liegend in einem Krankenbett teilnehmen.

Am 13. Juli 1954 nur sieben Tage nach ihrem 47. Geburtstag verstarb Frida Kahlo im Blauen Haus. Als Todesursache wird eine Lungenembolie vermutet, wobei einige Freunde an Suizid durch eine Überdosis an Schmerz- und Schlafmitteln glaubten. Dafür gibt es jedoch keine Beweise, da Diego Rivera eine Obduktion des Leichnams verweigerte. Frida Kahlos Körper wurde verbrannt und die Urne im Blauen Haus aufgestellt. Dieses Blaue Haus wurde 1959 als „Museum Frida Kahlo“ eröffnet und nach dem Willen des 1957 verstorbenen Diego Rivera dem mexikanischen Volk übergeben. Nach ihrem Tod wurden Frida Kahlos Bilder von der mexikanischen Regierung offiziell zum „nationalen Kulturgut“ erklärt. Seitdem dürfen keine in Mexiko befindlichen Werke ohne Genehmigung ihren Besitzer wechseln oder das Land für Ausstellungen verlassen.

Frida Kahlos aktuelle Popularität ist unumstritten, ihre Selbstbildnisse sind weltbekannt. Ihr Leben berührt die Menschen durch ihre gleichzeitige Zerbrechlichkeit und Kraft, durch ihre Verzweiflung und ihre Farben, durch ihren Schmerz und ihre Direktheit im Ausdruck. Sie nutzt die visuelle Symbolik des körperlichen Schmerzes, um emotionales Leiden besser zu ergründen. Durch das Aufdecken des Inneren und die Darstellung des eigenen Körpers in einem labilen Zustand öffnet Frida Kahlo die Gefühlswelt der BetrachterInnen. Ihr Vermächtnis darf nicht unterschätzt werden. Äußerst viele Künstlerinnen haben seit den 1950er Jahren von Frida Kahlos Werk inspirieren lassen. Ihre Kunst inspiriert auch all jene, die wegen eines Unfalls, aufgrund einer Fehlgeburt oder schlichtweg an Beziehungsproblemen leiden.

„Ich habe immer gedacht, dass ich die seltsamste Person auf dieser Welt bin, aber später dachte ich, dass es viele solcher Leute auf der Welt gibt, es muss also jemanden wie mich geben, der sich auf gleiche Weise bizarr und beschädigt fühlt, so wie ich mich fühle. Ich stelle mir die Frau vor, und stelle mir vor, dass sie dort drüben auch an mich denkt. Also gut, ich hoffe, wenn du dort bist und dies liest, dass du weißt, dass es wahr ist, dass ich da bin und genauso seltsam bin wie du.“

Auch mich fasziniert das Leben dieser außergewöhnlichen Frau. Und zu gerne würde ich einmal eine „Reise für Frauen auf den Spuren von Frida Kahlo“ in Mexiko organisieren und selbst begleiten. Wären Sie dabei?

Herzliche Grüße und bis nächste Woche

Martina Ehrlich

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