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Martina Ehrlich

Ab sofort erscheint auf unserer Homepage immer freitags ein neuer Blog-Beitrag zu den unterschiedlichsten Regionen und Themen rund um Lateinamerika. Martina berichtet Aktuelles, Informatives, Skurriles und Spannendes vom Kontinent des Kolibris, erzählt Geschichten vom Reisen bis hin zu praktischen Tipps für die Vorbereitung Ihrer eigenen Reise.

Vom Kontinent des Kolibris 13 – Amazonas – ein grünes Wunder

Amazonien: schon der Name allein regt unsere Fantasien an. Bei den einen entstehen innere Angstbilder von Schlangen, Stechmücken, indigenen Kriegern, Krokodilen und sonstigen abscheulichen Gefahren, bei den anderen die romantische Vorstellung eines wunderschönen Urwalds voller exotischer Blüten, Tiere und Menschen – ein Sehnsuchtsort, der zudem in großer Gefahr ist. Wie meistens liegt in all diesen Vorstellungen ein bisschen Wahrheit und auch ein bisschen eigene Interpretation.

Fakt ist, dass der Amazonas mit mehr als 1.000 Nebenflüssen in einem Einzugsgebiet von über sieben Millionen Quadratkilometern das größte Flusssystem unserer Erde ist. Und auch, dass durch die Jahrhunderte lange Ausbeutung aller verfügbaren Ressourcen wie Holzabbau, Goldgewinnung und ganz aktuell Entwaldung für mehr Anbaufläche und mehr Rinderweiden dieses einzigartige Ökosystem extrem bedroht ist. Dieser Blog möchte Ihnen den Amazonas näherbringen.

Im 16. Jahrhundert kamen die spanischen Konquistadoren von der Westseite Südamerikas in die Bergregionen der Anden und plünderten dort die Silber- und Goldschätze der indigenen Hochkulturen aus. Dabei hörten sie immer wieder vom geheimnisvollen „El Dorado“ – dem Ort in Südamerika, an dem es Gold in Hülle und Fülle geben sollte. Ihr Anführer Franzisco Pizarro wollte dieses Goldland finden und so entsandte er 1539 einen Expeditionstrupp von angeblich 340 Spaniern, um die 4.000 Indigenen, 150 Pferden, 4.000 Schweinen, 900 Hunden und einer Lamaherde unter der Leitung seines Bruders Gonzales nach Osten ins noch unbekannte Tiefland. Am Rio Coca im heutigen ecuadorianischen Amazonasgebiet schloss sich Francisco de Orellana der Truppe an, er sollte Gonzalo als Leutnant dienen. Männer und Tiere kämpften sich zu Fuß durch Urwald und Sumpfgebiet, mussten stets heftige Tropengüsse über sich ergehen lassen, wurden von unliebsamen Insekten zerstochen – es wurde ein quälender Marsch. Nach einigen Monaten waren die Vorräte verbraucht und die Expedition musste sich von Beeren, Wurzeln, Schlangen und sonstigem Getier ernähren. Viele der Expeditionsteilnehmer waren inzwischen ums Leben gekommen. Weiter wird erzählt, dass alle Indigenen, die man traf und die nichts von „El Dorado“ zu berichten wussten, einfach umgebracht wurden. So kam es dann wohl auch, dass vorausschauende Indigene eine reiche Stadt mit Lebensmitteln und Gold in nur wenigen Tagen vom Standort der Expedition erfanden, um ihr eigenes Leben zu retten…

Ein großes Floß wurde gebaut und eine kleine Expedition von etwa 50 Mann unter Francisco de Orellana wurde flussabwärts geschickt, um die verheißene Stadt zu suchen. Gonzalo hörte wohl zwei Monate nichts von Orellana und kehrte schließlich mit den um die 80 Überlebenden völlig erschöpft wieder zurück nach Quito. Dies war im Juni 1542.

Zu diesem Zeitpunkt war Francisco de Orellana bereits auf der Atlantikseite des Kontinents angelangt. Sie hatten am Zusammenfluss des Rio Coca mit dem Rio Napo keine Vorräte mehr, an Umkehren war bei der starken Strömung und bei den geschwächten Männern jedoch nicht zu denken. Also folgten sie weiter dem Fluss abwärts und hofften insgeheim immer noch, das Goldland zu finden. Sie begegneten angeblich etlichen Urwaldstämmen, die sie teilweise auch mit Nahrung versorgten. Andere bekämpften sie mit Pfeilen. So ging es immer stromabwärts auf dem Floß, bis sie schließlich nach neun Monaten eine weite Ebene mit unzähligen Inseln erreichten, wo sie Ebbe und Flut wahrnahmen. Im August 1541 segelte die müde Expedition nach 4.500 Flusskilometern auf den Atlantik hinaus. Damit hatten zum ersten Mal Europäer den südamerikanischen Kontinent durchquert!

Die Überlebenden berichteten unter anderem von den vielen Angriffen durch Urwaldbewohner, denen sie ausgesetzt waren – und dabei auch von furchterregenden großen kriegerischen Frauen mit Lendenschurzen um die Hüfte, Pfeil und Bogen in der Hand. Um besser kämpfen zu können, sollen sie sich eine Brust entfernt haben. In Gedenken an die Expedition nannte man den gigantischen Strom zuerst Rio Orellana, später setzte sich der uns allen bekannte Name Rio Amazonas durch – er kommt von A-Mazo, was ohne Brust bedeutet. So kam das weltweit größte Flusssystem zu seinem Namen. Die gesamte Region mit dem riesengroßen Waldgebiet und allen dort existierenden Pflanzen, Tieren und Völkern wird als Amazonien bezeichnet.

Die fernste Quelle des Rio Amazonas, d.h. sein Ursprung, wurde vom Amerikaner Loren Mac Intyre in über 5.000 Metern in Peru entdeckt. Der nach ihm benannten Lagune entspringt der Rio Apurimac, der später in den Rio Ucayaly fließt. Weiter geht es mit dem Rio Coca, dem Rio Napo, dem Rio Maranon, der dann in den Rio Solimoes fließt, der ab dem Zusammenschluss mit dem Rio Negro schließlich den so offiziell benannten Rio Amazonas bildet.  

Von der Amazonasmündung am Atlantik können Hochseeschiffe 3.700 Kilometer stromaufwärts bis nach Iquitos in Peru fahren. Insgesamt sind etwa 50.000 Kilometer des amazonischen Flusssystems schiffbar.

Das Gefälle des Amazonas außerhalb der Anden sind nur wenige Zentimeter pro Flusskilometer, weshalb auch der enorme Wasseranstieg von ca. zwölf Metern oder mehr in der Regenzeit zustande kommt. Die brasilianische Amazonashauptstadt Manaus liegt auf nur 26 Metern über dem Meeresspiegel und doch ist sie über 1.000 Kilometer Luftlinie vom Atlantik entfernt.

Der Amazonas transportiert etwa ein Fünftel des gesamten Süßwassers aller Flüsse der Erde. Zum Höhepunkt der Regenzeit fließen pro Sekunde bis zu 310.000 Kubikmeter Wasser in den Atlantik!

Regenzeiten in Amazonien werden von der Wanderung der Sonne von einer Hemisphäre in die andere gesteuert. Das Einzugsgebiet reicht in beide Hemisphären, was bedeutet, dass es immer irgendwo regnet. Die Wasserstände verändern sich je nach Region und stehen im Auf und Ab zueinander. Manche Flüsse ändern sogar ihre Fließrichtung, je nachdem wo gerade Hochwasser ist, welcher Hauptfluss dabei überschwemmt wird und deshalb einen Abfluss sucht.

Bei Mondwechsel prallt eine Springflut des Atlantiks auf die Fluten des Amazonas – genannt Pororoca – und sie kann bis zu fünf Meter hoch sein. Dabei kann sie Boote zum Kentern bringen sowie Vieh und sogar Menschen vom Ufer mit sich ins Wasser reißen.

Vor der Vereinigung des lehmgelben Rio Solimoes mit dem colafarbenen Rio Negro ist der Rio Negro etwa 20 Kilometer breit. Die unterschiedlichen Wasser der beiden Flüsse ziehen noch etwa 80 Kilometer nach der Vereinigung zweifarbig nebeneinander her, bis schließlich das lehmfarbene Wasser dominiert. Ab dieser Vereinigung der beiden Flüsse trägt der Fluss übrigens erst den offiziellen Namen Rio Amazonas.

Amazonien beherbergt ca. 50 Millionen Pflanzenarten. Auf wenigen Hektar Wald finden sich oft mehr Baumarten als in ganz Europa. Ein Drittel der gesamten tierischen Biomasse Amazoniens sind Ameisen! Sie gelten allgemein als „Herrscher des Regenwaldes“. Auf einem Hektar Regenwald wurden bis zu 28 unterirdische Nester mit jeweils einer Million Arbeiterameisen gefunden. Fast 2.000 Fischarten des Amazonas sind beschrieben. Man schätzt, dass es insgesamt 3.000 Arten gibt. In allen Binnengewässern Europas sind es zusammen keine 200 Arten.

Dies alles sind Zahlen und Fakten, die uns die Dimension von Amazonien bewusster machen können. Greifbar oder begreifbar sind all diese Zahlen jedoch nicht wirklich. Waren Sie schon einmal irgendwo in Amazonien? Konnten Sie das gleichzeitige Sterben und Sprießen sehen, nachts den exotischen Geräuschen lauschen, den moderigen Geruch wahrnehmen? – Mich fasziniert Amazonien als Ganzes – die kleinen Wunder, die man auf Wanderungen entdeckt ebenso wie die spürbar grenzenlose Weite. Ich bewundere die Sinneswahrnehmung der Einheimischen – ihre Augen, denen nichts entgeht, während ich mit dem Fernglas immer noch suchen muss und nichts erkennen kann. Ihre Ohren, die alle Geräusche so intensiv wahrnehmen und unterscheiden können. Ihr ganzes Wissen um die Pflanzen, die heilen, die nützlich oder giftig sein können. Ihren Sinn für diesen Wald, in dem ich selbst fasziniert, berührt und doch nur als hilfloser ausgelieferter Gast fühle. Ich bin unglaublich dankbar, diesen üppigen Wald mit seinen unzähligen Geheimnissen schon mehrmals erlebt haben zu dürfen. Er zeigt uns viel, wenn wir offen dafür sind. Er zeigt uns neben seinen Wundern vor allem auch seine Fragilität, die es zu bewahren gilt. In letzter Konsequenz hängt von seinem Überleben unser eigenes ab.


Geheimnis des Waldes
Geisterwald – verschlungen, umwunden,
chaotisch, geheimnisvoll lebendig.
Das Boot gleitet durchs Wasser – sanft, achtsam,
dem Wald Würde schenkend.
Die hier lebenden Menschen – aufmerksam,
geduldig, respektvoll wissend.
Meine Seele wird ruhig.
Dieser durchs Wasser wandernde Wald spiegelt das Universum
– alles ist in ihm und er ist alles.
Die Essenz des Lebens
und des Sterbens im Angesicht.
Alles ist gut.

Waren Sie schon einmal in Ihrem Leben irgendwo in Amazonien? Wie waren Ihre Eindrücke?

Ich freue mich von Ihnen zu hören,
Martina Ehrlich

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2 Gedanken zu „Vom Kontinent des Kolibris 13 – Amazonas – ein grünes Wunder“

  1. Hallo Martina, ja wir waren da -schon drei Mal -Amazonien – Wanderung durch den Regenwald – die Machete macht uns den Weg frei, aufpassen, dass wir nicht an den Wurzeln, Schlingpflanzen hängen bleiben,über umgefallene Bäume klettern, Ausschau halten, Tiere hören, sie entdecken! ein Brüllaffe kommt dir vor die Kamera und kackt dir auf die Linse. Wunderbare Entdeckungsreise, auch anstrengend. Habt ihr Durst? fragt unsere einheimische Begleitung. Ja, aber kein Fluss zu hören, wo sprudelt eine Quelle? Ein wie wir meinen abgestorbener Ast wird abgeschlagen und er enthält Wasser. Wir hätten es niemals vermutet. Es gibt viel zu entdecken. Abends fahren wir mit dem Boot dem Sonnenuntergang entgegen, Motor aus ganz leise liegen wir auf dem Fluss.das tiefe Abendrot und die Sterne bringen einen Zauber der Stille – wir lauschen der Musik des Regenwaldes: verschiedene Tiere geben ihre Laute von sich als wollten sie ,gute Nacht, sagen. Wir freuen uns auf den nächsten Tag im Regenwald, lernen von den Einheimischen. Ich hoffe, dass uns das Wissen vieler Bevölkerungsgruppen nicht gänzlich verloren geht.

    Antworten
    • Liebe Ingeborg,
      wie schön, dass auch Du Dich dem Zauber des amazonischen Regenwaldes nicht entziehen konntest. Der Amazonas gehört zu den wenigen verblebenen Regionen der Erde, wo wir uns als Mensch nur als Besucher fühlen. Es regiert die Natur und wir müssen uns ihr anpassen. Möge diese Schatzkammer der Menschheit möglichst noch lange erhalten bleiben – auch wenn das fragile Ökosystem Amazoniens derzeit einer extremen Ausbeutung und Gefährdung ausgeliefert ist. Hoffentlich ist hier bald eine Wende in Sicht.
      Herzliche Grüße – und wie schön, dass Du dem Blog nach wie vor folgst. Martina

      Antworten

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